Euch noch einmal ganz nahe sein
Ich würde gern noch einmal in meine Kindheit reisen wollen, um die Nähe meiner Eltern + Oma zu erleben. Auch wenn viele Tage nicht so schön waren, aber ich wäre jetzt gern bei Ihnen, egal ob die Situationen angenehm waren oder, wie so oft, überschattet von Zank und dem Suff meines Vaters.
-Ich möchte noch einmal auf dem Sofa sitzen und die Streitigkeiten meiner Eltern hören.
-Wie gern wäre ich jetzt wieder ein kleiner Junge und könnte auf dem Arm meines Vaters oder meiner Mutter sitzen.
-Mit meinem Vater säße ich gern erneut in einer der vielen verrauchten Kneipen, die er mit mir aufsuchte, als ich im Grundschulalter war. Ich würde vieles dafür geben, um ihn heute beim Skatspielen und Biertrinken zuzuschauen. Anschließend nähme ich seinen Hand, damit er nicht besoffen hinfällt, sondern ordentlich nach Hause findet. Ich liefe auch nicht mehr einfach so von Dir weg Papa, so wie ich es früher tat, weil ich den vielen Qualm und Biergestank nicht mehr ertrug. Das verspreche ich Dir! Um Dich noch einmal erleben zu können, ertrüge ich Deinen Zustand und akzeptierte die Welt, in der Du stundenweise Zuflucht suchtest. Die Kneipen waren dein zweites, nein dein erstes Zuhause. Hier warst Du ganz Du selbst und für alle der "Kalle". Hier eine Kneipe, die er gern mit mir aufsuchte. Sie ist in der Nähe des "Rudower Fließes".
-Es wäre jetzt schön mit meinen Eltern in unserem blauen VW-Käfer auf der Transit-Strecke nach Peine oder Dänemark im Stau zu stehen, auch wenn meine Mutter schon die 10 Zigarette im Auto rauchen würde und mein Vater die Schlager-Kassette im Kassettenrecorder zum dritten Mal wendete.
-Und anders als damals würde ich mich heute gewiss riesig freuen, stünde mein Vater noch ein letztes Mal angetrunken mit unserem Hund Tapsy vor dem Schultor, um mich von der Schule abzuholen.
-Oder eine der vielen Fahrradtouren (mit meinem Vater) entlang der "Rudower Höhe" und des "Rudower Fließ" könnte ich mir jetzt gut vorstellen.
-Meine Mutter, die sich aus guten Gründen oft aus dem Familiengeschehen zurückzog, würde ich nun bitten wollen, noch einmal mit meinem Vater und mir ins große Schwimmbad in der Gropiusstadt zu gehen, auch wenn sie ihn abgrundtief verachtete. Ich habe diese Tage als Kleinkind sehr genossen, wie man auf alten Bildern sieht.
-Ich hätte mich im Sommer 2022 nicht vom "Krankenbett" meiner Mutter vertreiben lassen dürfen, kostete es, was es wolle. Und auch die anderen unschönen Dinge, die man uns allen an diesem Wochenende angetan hatte, ließe ich heute nicht mehr zu. Ich konnte nicht ahnen, dass dies die letzte persönliche Begegnung mit ihr war. Ich hatte mich innerlich auf ein Treffen in größerer Runde im Frühling 2023 gefreut.
-Ich möchte gern das Lachen meiner Oma hören, auf ihren Töpfen & Pfannen Schlagzeug spielen und in ihrem Schrebergarten ein kleines Lagerfeuer machen.
Doch all diese vielen Momente liegen, unerreichbar und dick verglast, hinter dem Schaufenster der Erinnerungen, an dem man seine Nase platt drücken und in das man nur zurückschauen kann.
"Die Erinnerung
ist ein Fenster,
durch das ich sehen kann,
wann immer ich will."
(Autor unbekannt)